Silikon

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Allgemeine Informationen

Silikone (chem. Polysiloxane, engl. silicone) erkennt man in der Zutatenliste meistens an der Endung "-cone" oder "-siloxane". Sie sind synthetischen Ursprungs. Einige Quats und Polyquats und auch Copolymere sind silikonbasiert.

Die gewünschten Effekte beim Einsatz von Silikon sind meistens

  • die Erzeugung von Glanz durch Ummantelung des Haares mit einer dünnen Schicht (siehe auch: Filmbildner),
  • das Erreichen besserer Kämmbarkeit durch die künstliche glatte Oberfläche,
  • das Umschließen von Spliss oder anderweitigen Haarschäden, die so am Haarschaft ausgeglichen werden sollen.

Insbesondere die letzte Anwendungsweise, für die Silikone in Repair-Shampoos eingesetzt und in der Werbung angepriesen werden, steht teilweise in der Kritik. Schäden können von silikonhaltiger Pflege lediglich überdeckt und nicht dauerhaft "repariert" werden, wie suggeriert wird. Da der tatsächliche Haarzustand unter dem Silikon nicht mehr erkennbar ist, kann es gezielte ausgleichende Pflege erschweren. Durch den Wechsel von silikonhaltiger zu silikonfreier Pflege kann es daher optisch zu einer Verschlimmerung kommen, wenn Schäden zutage treten, die zuvor nicht erkennbar waren. Derartige Schäden entstehen nicht durch die neue Pflege, sondern haben bereits bestanden.

Andererseits kann man bei chemisch stark beanspruchtem Haar (z.B. durch Blondierungen) teilweise kaum auf silikonhaltige Spülungen verzichten, da es die einzige Möglichkeit sein kann (außer abschneiden), die Haare überhaupt noch vor dem Splissen und Abbrechen zu bewahren bzw. die Schäden vorläufig zu kitten. Aber auch in diesem Fall sollte man die weitere Pflege der Haare, z.B. mit Ölen nicht vernachlässigen.
Einige Mitglieder der Langhaarforen setzen silikonhaltige Conditioner und Haarspitzenfluids gezielt ein, um z.B. die Haare vor dem Verknoten zu schützen wenn sie offen getragen werden oder zum Entwirren der Haare nach Konzerten/Festivalwochenenden.

Silikone können für die Haare problematisch werden, weil durch häufigen Gebrauch von silikonhaltigem Shampoo, Conditioner, Leave-In, Haarspray usw. immer neue Silikonschichten aufgetragen werden, und so ein Build-up entstehen kann. Die Haare werden dadurch schwer und kraftlos. Unter der Silikonschicht können die Haare unbemerkt immer weiter austrocknen, was zu verstärktem Spliss und vor allem Haarbruch führt. Der Einsatz von Silikonen sollte daher zumindest überdacht werden.

Der überwiegende Großteil konventionell hergestellter Shampoos, Spülungen oder Pflegeprodukte enthält Silikone. Für Naturkosmetik ist der Einsatz von Silikonen generell nicht zugelassen. Brokkolisamenöl und Squalan gelten als (pflanzlicher) Silikonersatz. Weiterhin werden in Naturkosmetik Stoffe wie Methylheptyl Isostearate (Ecocert zugelassen) verwendet.

Da Silikone aufgrund ihrer vielfältigen Namen oft nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, empfiehlt es sich, eine Webseite zu Rate zu ziehen, die die Inhaltsstoffe von Kosmetika auflisten und bewerten kann, wie zum Beispiel Codecheck.

Auswirkungen auf die Haut

Weil Silikone auch auf der Haut einen Film bilden können, besteht die Gefahr von Beeinträchtigungen der Kopfhaut. Mehrfach ist berichtet worden, dass sich permanente Reizungen der Kopfhaut (Brennen, Schuppen, Jucken, Haarausfall) nach Absetzen silikonhaltiger Pflege stark besserten. Eventuell wird durch das Silikon die Sauerstoffregulierung der Haut beeinträchtigt.

Umweltgefährdung/Ökologie/Gesundheit

Es gibt relativ wenige Daten zur Umweltgefährdung durch Siloxane und diese beruhen teilweise nur auf Modellen. Nur für einige Silikone gibt es durch Tierversuche (Ratten) Daten zur Gesundheitseffekten. Dadurch ist die Abschätzung möglicher Gefahren für die Umwelt und den Menschen schwierig. Es wurde jedoch z.B. beim Kabeljau nachgewiesen, dass sich einige Silikone in biologischem Geweben anhäufen können. In der EU wird bisher nur D4 (Octamethylcyclotetrasiloxan) als gefährlich eingestuft, es beeinträchtigt möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit und ist langfristig gewässerschädigend. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass D4 die Leber schädigt. D5 (Decamethylcyclopentasiloxan) ist möglicherweise krebserregend und schädigt die Lunge.


Löslichkeit von Silikonen

Generell gilt, dass unpolare Stoffe nur in unpolaren Lösungmitteln löslich sind und polare Stoffe nur in polaren Lösungsmitteln. Da z.B. Dimethicone unpolar ist, ist es unlöslich in Wasser oder Ethanol (beide polar), dafür aber in unpolaren Stoffen wie z.B. Pflanzenölen, mit Ausnahme von Rizinusöl. Das ein Stoff wasserlöslich ist, sagt nicht über seine Auswaschbarkeit aus. Kationische Tenside sind wasserlöslich, aber aufgrund ihrer Ladung ziehen sie aufs Haar auf und halten sich dort erstaunlich gut. Pflanzenöle sind nicht wasserlöslich und trotzdem auswaschbar.

Entfernen eines Build Ups

Vielfach werden zur Entfernung von Silikonen aus dem Haar Peelingshampoos oder sonstige wenig haarschonende Methoden empfohlen. Das ist vollkommen unnötig, denn das Silikon schadet dem Haar nicht, es verdeckt höchstens schon vorhandene Haarschäden. Silikone lassen sich mit jedem beliebigen silikonfreien Shampoo auswaschen. Manchmal sind ein paar Haarwäschen nötig, bis alles raus ist. Bei einigen Silikonen kann eine Ölkur (s. "Löslichkeit v. Silikonen" und "Verbreitete Silikone") helfen, die Silikone zu lösen.

Zu beachten ist außerdem, dass ein Build Up auch von vielen anderen Substanzen verursacht werden kann, z.B. durch ungünstige Tensidkombinationen (Anionische T. und Kationische T.) und diverse Stylingprodukte.

Verbreitete Silikone

Amodimethicone

Ein Polydimethylsiloxane (kationisches Silikonpolymer) mit einer endständigen Aminoalkylgruppe. Amodimethicone ist eine wasserdispergierbare (weil die Alkylgruppen Aminoreste enthalten, die mit Säuren Salze bilden, ähnlich wie bei den Quats) klare bis leicht trübe Flüssigkeit, die gut an Proteinen haftet und die zur Kämmbarkeitsverbesserung in Haarspülungen/Conditionern eingesetzt wird.
In einem Conditioner bei pH 4–5 sind die Aminoalkylgruppen protoniert (positiv geladen), so dass dieses kationische Silikon das Haar deutlich stärker konditioniert als andere Silikone, weil sie an den geschädigten negativ geladenen Stellen am Haar andocken. Leider neigen die Haare auch zu einer stärkeren statischen Aufladung.

Stearyl Methicone

Dimethylpolysiloxane bei dem eine Methylgruppe vollständig durch einen Alkylrest ausgtauscht wurde. Wachsartige Konsistenz, Einsatz als Konsistenzgeber

Cyclomethicone

Diese Silikonöle haben eine Ringstruktur und sind praktisch wasserunlöslich. Der Name Cyclomethicone bezeichnet verschiedene Dimethylpolysiloxane, die bekanntesten sind Cyclopentasiloxane (10er-Ring, 5Si und 5O), Cyclotrisiloxane (6er-Ring, 3Si und 3O) und Cyclotetrasiloxane (8er-Ring, 4Si und 4O) und . Es sind farblose, niedrigviskose und (schwach) flüchtige Flüssigkeiten. Sie sind Spreiter und werden gerne zusammen mit hochviskosen Silikonen eingesetzt. Sie verringern die Klebrigkeit und verbessern das Hautgefühl. Konditionierer für Haarpflegemittel zur Verbesserung der Kämmbarkeit und des Glanzes der Haare.

Cyclopentasiloxane ist bei 25°C in jedem Verhältnis mischbar mit C12-15 Alkyl Benzoate, Caprylic/Capric Treiglycerides, Cetyl Dimethicone, Dimethicone, Isopropyl Myristate, Isopropyl Palmitate, Jojobaöl, Mandelöl, Myristyl Myristate, Paraffinöl (Mineral Oil), Phenyl Trimethicone, Sojaöl, Sonnenblumenöl, Stearinsäure (Stearic Acid), Stearyl Dimethicone und Vaseline (Petrolatum). Es mischt sich nicht mit Ethanol, Glycerin, Rizinusöl und Wasser. Bei 80°C ist es mit Bienenwachs, Paraffin und Stearyl Alcohol mischbar.

Dimethicone

Gehört zu der Gruppe der Silikonöle und deckt einen breiten Viskositätsbereich ab, von flüchtig bis hochviskos. Lineare Polydimethylsiloxane sind Polymere auf Siliciumbasis mit unterschiedlichen Molekülgrößen, praktisch wasserunlösliche klare, farb- und geruchlose Flüssigkeiten. Der einfachste Vertreter ist das Hexamethyldisiloxane (INCI), es ist flüchtig wie Wasser, aber ohne dessen kühlende Wirkung und wird deshalb gerne als unpolares Lösungsmittel eingesetzt.
Einsatz in Hautpflegeprodukten, zur Verringerung des "Weißelns" von O/W-Emulsionen, sowie in Haarpflegemitteln zur Verbesserung der Kämmbarkeit, als Konditioniermittel, Feuchtigkeitsschutz und zur Erhöhung des Glanzes der Haare. Die flüssigen und flüchtigen Dimethicone sind Spreiter und Weichmacher, sie werden zur Verbesserung der Nasskämmbarkeit der Haare eingesetzt.

Dimethiconol

Hydroxiliert, das verleiht dem Silikonmolekül polare Eigenschaften wodurch es gut am Haar haftet. Dimethiconol ist hochviskos und wird deshalb oft zusammen mit dem niedrigviskosen Cyclopentasiloxan zur Haarkonditionierung (gerne in Haarspitzenfluids) und als Antischaummittel eingesetzt. Dimethiconol löst sich weder in Wasser, noch in Triglyceriden wie Olivenöl oder Rizinusöl. Es ist löslich in einigen anderen niedrigviskosen Silikonen, Isopropyl Myristate, Ethyl Acetate und C9-13 Isoparaffin.

Hydroxypropyl Dimethicone

Dimethylpolysiloxane mit partiellen, funktionalisierten Alkylgruppen, konditionierende Eigenschaften, haarfixierend

Phenyl Methicone

Diese Verbindungen enthalten eine Methyl- und eine Phenylgruppe. Konditionierende und optische Eigenschaften. Der Brechungsindex stimmt mit dem des Haars überein, dadurch glänzen die Haare mehr und die Leuchtkraft der Farbe wird erhöht.

Phenyl Trimethicone

Silikonöl, leicht flüchtiger Kämmbarkeitsverbesserer, praktisch wasserunlöslich, Antistatikum, Emolliens und Antischaummittel.

Stearyl Dimethicone

Dimethylpolysiloxane, ein Silikonwachs, bei dem eine Methylgruppe am Si-Atom partiell durch einen längeren Kohlenwasserstoffrest (Alkylgruppe) ausgetauscht ist. Dieses Wachs lässt sich z.B. mit Olivenöl, Fettalkoholen, Isopropyl Myristate und Isopropyl Palmitate mischen.

Weblinks

[Haarmonie] Spitzenpflege mit Silikonen
[Langhaarnetzwerk] Silikone/Filmbildner
[Langhaarnetzwerk] Silikonöl (Dimethicone)
[Langhaarnetzwerk] Dimethiconol

Quellen

http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/schadstoff/schadstoffe_einleitung/silox/
http://www.umweltbundesamt.at
http://ip.com - Kosmetisches Kit zur Haar- und Kopfhautbehandlung
Synergistische Mischungen von kationischen Aminosilikon Terpolymer mit einem weiteren Silikon (Beiersdorf AG)
http://www.lotioncrafter.com/reference/tech_data_lc995.pdf
http://www.wacker.com (Stearyl Dimethicone)
http://www.dermaviduals.de (Silizium - Global Player der Kosmetik)