Saponine

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Allgemeines

Von lat. Sapo für Seife abgeleitete Bezeichnung für eine Gruppe von fast ausschließlich pflanzlichen Glykosiden, die in Wasser kolloidale, seifenartige Lösungen bilden.
Zu den wenigen tierischen Saponinen gehören die Stachelhäuter-Saponine, z.B. die Holothurine der Seegurken, die Steroidsaponine der Seesterne, ...

Saponine können die Zellmembranen schädigen und haben nach intravenöser Applikation eine stark hämolytische Wirkung, d.h. sie lösen die Membranen der Erytrozyten (roten Blutkörperchen) auf. Außerdem sind sie antimikrobiell und als Fischgift1 wirksam. Deshalb wurden/werden die Saponine fälschlicherweise als toxisch eingestuft. Die Gruppe der Saponine ist sehr inhomogen, so dass eine generelle Aussage nicht möglich ist.
Saponine werden bei oraler Zufuhr nicht bzw. kaum resorbiert.
Pharmakologisch werden einige der Saponine als Expektorantien, durchblutungs- und sekretionsfördernde Mittel schon seit langer Zeit genutzt (z.B. Süßholzwurzelextrakte). Auch in vielen Pflanzen, die wir essen, sind Saponine enthalten und Waschnüsse werden in Indien schon seit Ewigkeiten zur Körperpflege und zum Waschen verwendet.

Chemisch gesehen, gehören die Saponine zu den nichtionischen Tensiden (Niotensiden)

Saponine sind hitzeempfindlich, trotzdem überstehen sie ein kurzes Aufkochen bei der Shampooherstellung.

Saponine findet man u.a. in: Seifenkraut, Rosskastanien, Gänseblümchen, Efeu, Ringelblumen, Sojabohnen, Hafer, Spargel, rote Beete, Spinat, Waschnüssen, Panamarinde, Ginseng, Ahorn, Quinoa, etc.


1Bei den Eingeborenen Südamerikas wurden Saponine als Fischgifte benutzt, indem sie saponinhaltige Pflanzen ins Wasser tauchten, wodurch die Fische betäubt wurden.

Einteilung der Saponine

Die Saponine werden in zwei große Gruppen, Triterpenoid- und Steroid-Saponine, unterteilt:

Triterpenoid-Saponine

Sie kommen in zahlreichen Pflanzen, vorwiegend Dicotyledonen (zweikeimblättrige Pflanzen), vor.

z.B. in Efeublättern (Hederagenin), Süßholzwurzel (Glycyrrhetinsäure), weißer Seifenwurzel (Gypsogenin), Rosskastaniensamen (Protoaescigenin), Seifenrinde (Quillaiasäure)

Steroid-Saponine

Sie kommen hauptsächlich in Monokotyledonen (einkeimblättrigen Pflanzen) vor.

z.B. in Fingerhut (Digitogenin), Bockshornklee und Spargel (Diosgenin), Cayennepfeffer und Bockshornklee (Gitogenin), Spargel (Sarsapogenin)

Zur Haarwäsche geeignete saponinhaltige Pflanzen/Pflanzenteile

Panamarinde

Panamarinde wird auch Quillaiarinde, Seifenrinde, Waschholz, bot.Quillaia saponaria genannt. Sie enthält durchschnittlich 5%, maximal 10% Saponine (vgl. Quillajasaponin), die mit Wasser stark schäumen und etwa die dreifache Reinigungskraft von Schmierseife besitzen, ohne die Textilfasern und Färbungen anzugreifen.

Verwendung: Als Waschmittel für empfindlichere Gewebe, als Hustenmittel, zur Entfettung von Wolle, als Bestandteil von Fleckwässern und (alkoholischen) Kopfwässern, als schaumbildender Zusatz zu Getränken, zur Herstellung von Teeremulsionen, zur Reinigung von Ölgemälden, usw.
Diese Rinde wurde früher über Panama exportiert, daher der Name.

Seifenkraut

Der krautige Teil des Seifenkrauts (Saponaria officinalis) enthält deutlich weniger Saponine als die Wurzel (s.u.). Es ist mit einer deutlich geringeren Reinigungswirkung zu rechnen, evtl. ist eine Mischung mit anderen Pflanzen sinnvoll oder für eine leichte und schonende Wäsche.

Seifenwurzel (rote S. und weiße S.)

Die rote Seifenwurzel, Wurzel (Radix) des Seifenkrauts (bot. Saponaria officinalis, pharm. Radix Saponariae rubrae), enthält stark schäumende kolloidale Saponine und wurde schon im Mittelalter zu Reinigungszwecken verwendet.
Die weiße Seifenwurzel (pharm. Saponariae albae radix) ist die Wurzel des Schleierkrauts (Gypsophila paniculata) und kann ebenso zum Waschen von Kleidung und Haaren verwendet werden.
Auch die Wurzeln anderer Gypsohila-Arten (G. fastigiata, G. arrosti, G. perfoliata und G. struthium) werden teilweise als weiße Seifenwurzel bezeichnet und können ebenso verwendet werden.

Waschnüsse

Sapindus mucorossi und Sapindus trifolatus

Sap-indus = Seife der Indianer

Seit einigen Jahren bei uns auf dem Markt, in Indien und Nepal schon seit Urzeiten als Waschmittel im Gebrauch. Im Indischen werden sie Aritha, Ritha, Reetha, Dodan oder Doadni genannt.
Die Schalen von S. mucorossi (große Waschnuss) enthalten 10-11,5% Saponine. Die Schalen von S. trifolatus (kleine Waschnuss) sind deutlich kleiner und haben einen geringeren Saponingehalt. Meist werden in Deutschland die Schalen von S. mucorossi verkauft.

Sapindus saponaria, Sapindus rarak und Sapindus drummondii

Die Schalen sind bei uns kaum erhältlich, werden auch zum Waschen verwendet.
Problem: Bei der Benennung gibt es ein riesiges Durcheinander.
Sapidus saponaria ist eine eigene Waschnuss-Art, wird aber gelegentlich auch als Synonym für S. mucorossi verwendet. S. mucorossi wird oft auch als S. detergens bezeichnet.

Rosskastanie

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceen). Die Früchte enthalten 3-8% Saponine und zusätzlich noch Gerbstoffe. Zur Verwendung als Haarwaschmittel muss man die braune Schale entfernen, zerkleinern und dann einen wässrigen Auszug herstellen. Der Waschsud ist gelb, es bleiben aber keine Farbreste im Haar zurück. Rosskastanie kräftigt das Haar.

Viele (alle?) andere Kastanienarten enthalten ebenso Saponine, z.B. A. chinensis, A. flava, A. california, usw.

Shikakai

Shikakai (hindi für Acacia sinuata = A. concinna) bezeichnet die Frucht einer Akazienart. Sie hat stringierende Wirkung auf die Kopfhaut, ist wirkungsvoll gegen Schuppen und säubert gründlich. Ausserdem soll Shikakai die Haarwurzeln stärken und den Haarwuchs fördern. Shikakai ist ein traditionelles ayurvedisches Shampoo und Haarpflegemittel.

Haartaugliche saponinhaltige Pflanzen, hauptsächlich mit Pflegewirkung

Bockshornkleesamen

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) wird oft unter seinem englischen Namen Fenugreek verkauft, auf Hindi heißt er Methi.
Anwendung von abgekochten Bockshornkleesamen soll Schuppen und Haarausfall reduzieren und mehr Volumen geben. Außerdem wirkt er entzündungshemmend.
Nachteil: eigentümlicher Geruch.

Birkenblätter

Verwendet werden die Blätter der Hängebirke (Betula pendula = B. Verrucosa) oder der Moorbirke (Betula pubescens) oder eine Mischung aus beiden. Die pharmazeutische Bezeichnung lautet Betula folium.

Birkenblätter enthalten viele Gerbstoffe und Saponine und sind ideal bei schuppender, juckender Kopfhaut, Haarausfall und fettigem Haar.

Eibischwurzel

Die Wurzel des Eibisch (Althea officinalis) enthält neben Saponinen noch Schleimstoffe, dadurch kann man sie überall einsetzen, wo eine umhüllende und schützende Wirkung erwünscht ist.
Damit der Schleim nicht zerstört wird, ist ein Kaltauszug empfehlenswert.

Ringelblume

Das ätherische Öl, Saponine und Schleimstoffe der Ringelblume (Calendula officinalis) fördern das Wachstum der Haare und verhindern schnelles Nachfetten.

Süßholzwurzel

Für die Süßholzwurzel gibt es viele Bezeichnungen.
Pharmazeutisch: Radix Liquiritiae
Botanisch: Glycyrrhiza glabra, Glycyrrhiza glandulifera, Glycyrrhiza officinalis, Glycyrrhiza hirsuta, Liquiritia officinalis.
Hindi: Mulethi
Sanskrit: Yashtimadhu

Süßholz hat antibakterielle, antimykotische und schmerzlindernde Wirkung. Ein Aufguss wird u.a. bei trockener Kopfhaut und Schuppen angewendet. Wegen der entzündungshemmenden Wirkung durch das Glycyrrhizin hilft eine Spülung bei gereizter/entzündeter Kopfhaut. Süßholzwurzel kann auch dem Waschsud zugesetzt werden.
Einige Quellen behaupten, dass Süßholzwurzel die Haare etwas dunkler färbt bzw. schwarzem Haar einen schönen Glanz verleiht.

Rezepte

Waschnüsse

Ein Waschnussschampoo gibt es hier.

Panamarinde

Eine handvoll Holzspäne mit einem Esslöffel Eibischwurzel als Conditioner ein paar Stunden in ca. 3/4 Liter Wasser ziehen lassen, dann kurz aufkochen und auf Körpertemperatur abkühlen lassen.
Über das trockene oder auch angefeuchtete Haar geben, einwirken lassen, ausspülen. Der Waschsud ist rötlich, keine Ahnung ob der auch färbt.

Anmerkung: Eibischwurzel zu kochen ist keine gute Idee, die Schleimstoffe werden zum Teil zerstört und lösen sich außerdem schlecht aus der Wurzel da sie aufquellen. Dadurch geht ein Großteil der Pflegewirkung verloren. Lieber mit warmem Wasser übergießen und einen oder zwei Tage ziehen lassen. Eine Messerspitze Zitronensäure, wie beim Waschnuss-Shampoo, ist bestimmt auch nicht übel.

Seifenwurzel

Handvoll in ca. 1 Liter Wasser, aufgesetzt, kurz aufgekocht, eine Stunde ziehen lassen, abgeseiht.

Anmerkung: Kaltauszug wäre evtl. besser, Saponine sind etwas hitzeempfindlich, trotzdem ist eine Waschwirkung nach dem Aufkochen vorhanden.

Spülung mit Eibischwurzeln

Rosenblüten und Eibischwurzeln machen trockene Haare wieder weich. Kamille beruhigt die Kopfhaut.

  • 2 EL getrocknete Kamille
  • 2 EL getrocknete Rosenblüten
  • 2 EL getrocknete Eibischwurzeln
  • 500 ml Wasser

Kamille, Rosenblüten und Eibischwurzel mit dem Wasser in einem abgedeckten Topf erhitzen bis das Wasser gerade kocht. Vom Herd nehmen und ziehen lassen bis es kalt ist. Abseihen und unverdünnt ins nasse gewaschene Haar geben. Hält sich im Kühlschrank etwa 2 Wochen.

Rosskastanienshampoo

2 EL Rosskastanien-Gehäcksel in 750ml Wasser einen Tag ziehen lassen. Vor der Anwendung evtl. etwas erwärmen oder einen Schluck heißes Wasser zugeben.
Anwendung wie bei allen anderen Rezepten.

Rezept für Shampoo aus Seifenkraut

  • 1 EL Seifenkraut
  • 250 ml Wasser
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 Eigelb
  • evtl. 1 Tropfen ätherisches Zitronenöl

Das Seifenkraut mit dem Wasser aufkochen, vom Herd nehmen und abkühlen lassen und die übrigen Zutaten unterschlagen.
Grundrezept nach einem Buch "Naturkosmetik zum Selbermachen" von Heike Helen Rech.

Seifenkrautschampoo nach Riquette Hofstein

Rezept


Sämtliche Saponinhaltigen "Shampoos" sollten nicht in die Augen gelangen da sie in den Augen brennen.

Liste von Pflanzen, die als Seife verwendet werden/wurden

  • Achyranthes aspera - Apamarga
  • Aesculus californica - Kalifornische Rosskastanie
  • Aesculus chinensis - Chinesische Rosskastanie
  • Aesculus flava - Gelbe Rosskastanie
  • Aesculus glabra - Ohio-Rosskastanie
  • Aesculus hippocastanum - Gewöhnliche Rosskastanie
  • Aesculus indica - Indische Rosskastanie
  • Aesculus parviflora - Strauch-Rosskastanie
  • Aesculus pavia - Rote Rosskastanie
  • Aesculus turbinata - Japanische Rosskastanie
  • Aesculus x carnea - Fleischrote Rosskastanie
  • Agave americana
  • Agave parryi
  • Agave utahensis discreta
  • Agave utahensis eborispina
  • Anagallis arvensis - Acker-Gauchheil
  • Anemarrhena asphodeloides - Muttergedenken
  • Arctostaphylos manzanita
  • Asparagus racemosus - Wilder indischer Spargel, Shatavari
  • Astragalus garbancillo
  • Atriplex lentiformis - Meldenart
  • Camellia sasanqua - Herbstblühende Kamelie, Duftende Kamelie
  • Ceanothus americanus
  • Ceanothus arboreus
  • Ceanothus cuneatus
  • Ceanothus divergens
  • Ceanothus fendleri
  • Ceanothus impressus
  • Ceanothus integerrimus
  • Ceanothus maritimus
  • Ceanothus ovatus
  • Ceanothus prostratus
  • Ceanothus purpureus
  • Ceanothus sanguineus
  • Ceanothus thyrsiflorus
  • Ceanothus velutinus
  • Chenopodium album - Weißer Gänsefuß
  • Chenopodium californicum
  • Chenopodium quinoa - Quinoa
  • Chlorogalum pomeridianum - Seifenlilie
  • Clethra alnifolia - Zimterle
  • Cornus hemsleyi - Hartriegelart
  • Cucurbita foetidissima - Pflanzenart der Kürbisgewächse
  • Dianthus caryophyllus - Landnelke, Edelnelke
  • Dioscorea deltoidea - Yamsart
  • Elaeagnus commutata - Silber-Ölweide
  • Euphorbia thomsoniana - Euphorbienart
  • Ginkgo biloba - Ginkgo, Ginko
  • Gleditsia caspica - Kaspische Gleditschie
  • Gleditsia japonica - Japanische Gleditschie
  • Gleditsia macracantha
  • Gleditsia sinensis - Chinesische Gleditschie
  • Gutierrezia sarothrae
  • Gymnocladus chinensis - Chinesischer Geweihbaum
  • Gymnocladus dioica - Kentucky-Geweihbaum, Amerikanischer Kaffebaum
  • Gypsophila licentiana
  • Gypsophila struthium
  • Hedera helix - Gemeiner Efeu, Efeu
  • Herniaria hirsuta - Behaartes Bruchkraut
  • Ilex cassine - Stechpalmenart
  • Ipomopsis aggregata
  • Leontice leontopetalum
  • Lychnis flos-cuculi - Kuckucks-Lichtnelke
  • Lychnis fulgens - Leimkraut
  • Marah macrocarpus
  • Mesembryanthemum crystallinum - Eiskraut
  • Panax japonicus - Japanischer Ginseng
  • Philadelphus coronarius - Pfeiffenstrauch, Bauernjasmin
  • Philadelphus delavayi - Pfeiffenstrauch, Sommerjasmin
  • Philadelphus lewisii
  • Philadelphus microphyllus
  • Philadelphus pubescens
  • Philadelphus x virginalis
  • Phytolacca americana - Kermesbeeren
  • Pittosporum crassifolium - Karo-Klebsame
  • Pittosporum phillyreoides - Weiden-Klebsame
  • Polygonum lapathifolium - Ampfer-Knöterich
  • Polygonum nepalense
  • Populus trichocarpa - Westliche Balsampappel
  • Pteridium aquilinum - Adlerfarn
  • Pteridium aquilinum esculentum
  • Quillaja saponaria - Seifenrindenbaum, Panamarinde
  • Rubus parviflorus - Weiße Zimthimbeere
  • Sapindus drummondii = S. mucorossii - Drummonds Seifenbaum, Mukorossi-Seifenbaum
  • Sapindus marginatus
  • Saponaria ocymoides - Kriechendes Seifenkraut
  • Saponaria officinalis
  • Shepherdia canadensis - Kanadische Büffelbeere
  • Silene acaulis - Stengelloses Leimkraut
  • Silene dioica - Rote Lichtnelke, Tag-Lichtnelke
  • Silene latifolia - Weiße Lichtnelke, Breitblättrige Lichtnelke
  • Silene vulgaris - Taubenkopf-Leimkraut, Gewöhnliches Leimkraut
  • Symphoricarpos albus laevigatus - Schneebeere
  • Trichosanthes ovigera
  • Withania somnifera - Schlafbeere, Winterkirsche
  • Yucca aloifolia - Graue Palmlilie
  • Yucca angustissima
  • Yucca baccata - Blaue Palmlilie
  • Yucca brevifolia Joshua-Palmlilie, Joshuabaum
  • Yucca constricta
  • Yucca elata
  • Yucca filamentosa - Fädige Palmlilie
  • Yucca filifera
  • Yucca glauca - Blaugrüne Palmlilie
  • Yucca gloriosa - Kerzen-Palmlilie
  • Yucca harrimaniae
  • Yucca recurvifolia
  • Yucca rupicola
  • Yucca schidigera
  • Yucca smalliana
  • Yucca whipplei

Quelle: Plants For A Future

Weblinks