No Wash / Sebum Only

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NW/SO wird in der LHC „übersetzt“ mit ‘’No Water/Sebum Only’’. In diesem Fall ist keinerlei Wasser an den Haaren erlaubt. Die Variante im LHN ’’No Wash/Sebum Only’’ ist dagegen praxis- und naturnäher und erlaubt auch mal einen Regen-/Graupel-/Schnee-Schauer oder auch ein Bad im See.

Insgesamt geht es darum, das Sebum nicht herauszuwaschen, sondern es dafür zu nutzen, wofür es von der Natur gedacht war: zum Schutz und zur Pflege der Haare.

Die Methode vertraut darauf, dass sich die Sebum-Produktion mit der Zeit so reguliert, dass das Waschen nicht mehr nötig ist. Dafür werden Haare und Kopfhaut mechanisch gereinigt, indem mit den Fingern massiert und/oder mit einer Bürste/einem Kamm gearbeitet wird. Hierdurch wird das Sebum auch in den Längen verteilt, um diese zu pflegen.


Vorbereitung

NW/SO braucht eine grundsätzliche Umstellung der eigenen Wahrnehmung – Ist durchgefettet jetzt wirklich so ekelig, wie ich mich fühle? – und eine große Portion Geduld.


Fragen, die man sich vorab stellen sollte

Wie ist meine persönliche Grundeinstellung Sebum gegenüber?

Aus welchem Grunde will ich NW/SO ausprobieren?

Was erwarte ich von NW/SO?

Wie sehen meine Ernährung und mein Trinkverhalten aus? Nehme ich zu viel „Müll“ zu mir, der auch über die Kopfhaut wieder ausgeschieden wird? Trinke ich ausreichend (Wasser)?


Grundreinigung

Vorab sollten Haare und vor allem die Kopfhaut von jeglichen Rückständen von Shampoo, Conditioner, Öl, ... befreit werden, da diese nach einiger Zeit durch die bakterielle Zersetzung anfangen zu müffeln.

Für eine Grundreinigung haben sich eine Wäsche mit HES oder Natron bestens bewährt.


Mechanische Haarpflege

Bisher wurden Kopfhaut und Haare durch Waschen gereinigt und es konnte auf größere mechanische Belastungen verzichtet werden. Wenn jetzt auf das Waschen verzichtet wird, müssen dafür zwangsläufig die mechanischen Belastungen hochgefahren werden. Am Anfang recht stark, später reicht wieder etwas weniger. Aber es wird nie ohne gehen.

Wenn das Sebum erst einmal die Spitzen erreicht hat, muss nicht mehr so viel Fett verteilt werden, die Spitzen werden robuster und es gibt keinen Grund mehr ständig zu bürsten/kämmen. Die Kopfhaut fettet ja auch nicht endlos weiter.


Kopfhautbefreiung

Durch Kratzen und Massieren mit den Fingern werden eventuelle festere Ablagerungen gelöst, die Durchblutung angeregt und das vor allem zu Beginn festere Sebum weicher.

Das Sebum, das nun an den Fingern und/oder unter den Fingernägeln ist, kann man durch Entlangfahren an den Haaren bereits weiterverteilen.

Eine Session sollte nur solange dauern, wie es als angenehm empfunden wird.

Zu Beginn der Umstellung sollte die Kopfhaut mindestens einmal pro Tag befreit werden. Später kann man den Abstand je nach Bedarf ausdehnen.


Sebum-Verteilung

Um das Sebum in die Längen zu verteilen gibt es mehrere Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit ist das Bürsten mit der Wildschweinborstenbürste – der Klassiker. Durch die WBB wird das überschüssige Sebum an Kopfhaut und Haaransatz aufgenommen und in den trockeneren Längen wieder abgegeben. Ebenso wird Schmutz/Staub entfernt.
ACHTUNG: Durch den – vor allem Anfangs – verstärkten Gebrauch der WBB kann vermehrt Spliss und Haarbruch in den noch ungeschützten Längen und Spitzen entstehen.
Auch ist es vorgekommen, dass die vorher sehr gut vertragene Wildsau bei den NW/SO-Haaren gar nicht mehr gut ankommt.

Anstelle der WBB kann auch ein Staubkamm genutzt werden. Er entfernt ebenfalls den Schmutz/Staub aus den Haaren und verteilt gleichzeitig das Sebum in die Längen.
Bevorzugt werden hier die natürlichen Kämme aus Horn oder Holz.

Die einfachste Variante ist das Verteilen mit den Fingern. Wie schon bei der Kopfhautbefreiung beschrieben, kann man durch Entlangfahren vom Haaransatz an das Sebum weiterverteilen.


Notfallprogramme

Sebum-Überschuss

Sebum-Überschuss gibt es natürlich direkt zu Beginn der Umstellung bis sich die Kopfhaut reguliert hat. Aber auch nach der Umstellung kann es immer wieder mal zu einer Überproduktion kommen. Bekannte Auslöser dafür sind u. a. Krankheit, Stress, Hormone, zu fettreiche Ernährung, ...

Allgemein kann man sagen, dass durch Feuchtigkeit das Sebum flüssiger wird und besser in die Haare einzieht. Ob nun die Luftfeuchtigkeit draußen, heißer Wasserdampf von Dusche/Badewanne, mit einem feuchten Waschlappen über die Haare streifen, einmal kurz durch Regen laufen, Rosenwasser-Leave-In, ... bleibt jedem selbst überlassen.
Bevorzugt werden sollten hier das natürliche Regen-, Süß- und Salzwasser, ggf. auch destilliertes Wasser. Es kann vorkommen, dass kalkhaltiges Leitungswasser mit NW/SO nicht vertragen wird und das Sebum eher wachsartig wird, anstatt sich zu verteilen und/oder einzuziehen.

Noch ein Feuchtigkeitstipp: Mit einer sauberen, leicht feuchten WBB bürsten. Es bleibt mehr Sebum in der WBB und die Haare werden leichter, weicher und wirken wie frisch gewaschen.

Ein sauberes Baumwoll-Textil (z. B. Socke, T-Shirt, ...) nimmt auch Sebum auf, wenn man damit des Öfteren über die Haare streicht.

Möglich ist es auch, ein warmes (trockenes!) Baumwoll-Handtuch um den Kopf zu wickeln. Das erwärmt und verflüssigt das Sebum und das Handtuch fängt es auf.

Etwas Abhilfe kann man auch schaffen, indem man – von oben nach unten und auch über Kopf - mit sauberen flachen Händen die Haare so schubbert als würde man sie mit dem Handtuch trocken frottieren.

Puder kann in sehr begrenztem Maße auch aushelfen. Doch sollte es nur oberflächlich verteilt werden und keinesfalls in den Ansätzen oder gar auf der Kopfhaut verteilt werden. Es wurde die Erfahrung gemacht, dass selbst normaler Sand auf der Kopfhaut etwas mit dem Sebum zusammenklebt und die Verbindung nur sehr schwer von der Kopfhaut wieder abzukratzen ging.


Sebum-Mangel

Vor allem die Spitzen sind – hauptsächlich in der Anfangszeit – von mangelndem Sebum betroffen. Es kann aber auch vorkommen, dass auf der Kopfhaut zu wenig produziert wird.

Lanolin (Wollfett) ist dem Sebum sehr ähnlich und im Allgemeinen sehr gut verträglich sowohl für die Spitzen als auch für die Kopfhaut.

Bedingt möglich sind auch Öle. Diese sollte man aber doch besser nur für die Spitzen nutzen, da sie schwerer einziehen als das natürliche Sebum oder auch das Lanolin.

Auch schon erfolgreich war unraffinierte Sheabutter. Doch auch hier gilt es, diese nur begrenzt und besser nur für die Spitzen zu nutzen.


FAQ (Aussehen in verschiedenen Stadien, Geruch, ...)

Wie lange dauert die Umstellung

Nach ca. 6 – 8 Wochen ist normalerweise das Gröbste überstanden und die Sebum-Produktion pendelt sich ein. Die endgültige Umstellung der Kopfhaut auf NW/SO kann aber einige Monate bis Maximum ein Jahr dauern.


Aussehen

In den ersten Wochen haben die meisten Probleme mit viel Fett, Kopfhautjucken, kleinen Schüppchen und grauem Staub. Dagegen hilft viel Kratzen und Bürsten/Kämmen.

Das Sebum wandert langsam nach unten. Anfangs ist es wachsartig und wird dann immer flüssiger und somit leichter zu verteilen bzw. fließt auch von alleine. (Diese Entwicklung kann nur ungehindert stattfinden, wenn man ausreichend trinkt.)

Ein Zuviel an Sebum wird z. B. an Kleidung und Bettwäsche abgerieben, ein weiterer landet im Kamm und/oder in der Bürste. Solange nicht ewig genauso viel Neues nachkommt, saugen die Haare selbst auch eine ganze Menge weg.

Mit der Zeit sind die Haare nicht mehr simpel „fettig“ im Sinne einer Überproduktion sondern schlicht satt und weich.


Geruch

Der Geruch ist nicht vergleichbar mit dem frisch gewaschener Haare. In der LHC wird er als dezentes leicht süßliches persönliches Parfüm beschrieben. Andere sagen, dass es schlicht und ergreifend nach „Haaren“ riecht.

Es riecht immer unterschiedlich, je nachdem, was man vorher zu sich genommen hat. Mal würzig, mal getreidig... Und auch mal ganz privat – z. B. wenn man die Haare über Nacht im Dutt hatte und sie sich dann um den Kopf öffnet, verbreiten sie den ganz besonderen warmen, ganz eigenen Duft.

Vor allem in der Anfangszeit sollte regelmäßig Luft an die Kopfhaut und die Haare gelassen werden. Dies dient nicht nur der Entlüftung sondern hilft auch dem Sebum beim Einziehen. Lüften kann man während eines Spazierganges oder auch zuhause beim Gammeln auf der Couch.

Manche tun ein paar Tropfen ätherisches Öl in ihr Haar, um einen schönen Duft zu bekommen. Diese können allerdings auch umschlagen. Räucherstäbchen „beduften“ auch für einige Zeit.


Gefühl

Selbstverständlich fühlen sich NW/SO-Haare nicht so fluffig an wie frisch gewaschene. Sie sind jedoch sehr weich, Frizz ist ein Fremdwort.
Auch sind satte, sebumgetränkte Haare schwerer als ihre gewaschenen Artgenossen.


Schmutz

Um Schmutz im Haar braucht man sich keine ernsthaften Gedanken machen. Der normale Schmutz (Staub/Dreck), der sich im Laufe eines Tages im Haar im Haar ablegt und sich hier auch mit dem Sebum verbindet, wird durch das Kämmen/Bürsten mit entfernt.


Sport

Getrockneten Schweiß kann man einfach herausbürsten. Normalerweise wird er automatisch zusammen mit den abgestorbenen Hautzellen entfernt, also wenn mit Fingernägeln, Bürste oder Kamm Kopfhaut und Haare gereinigt werden.
Gewöhnungsbedürftig ist dabei nur das klebrige Gefühl, wenn der Schweiß trocknet.


Weblinks